Sonnengesang des Hl. Franz von Assisi

Der Sonnengesang des Franz von Assisi (1181 - 1226), den die Künstlerin Christine Hecht in den vergangenen Jahren für das Kinderzentrum St. Josef in einem Bilderzyklus malte, entstand 1225.

Franziskus ist zu diesem Zeitpunkt schon schwer krank und fast blind, sodass seine Augen das Licht der Sonne und des Feuers nicht mehr ertragen können.

In dieser Situation dichtet er ein Lied zum Lobpreis Gottes, des Schöpfers, dessen Größe und Schönheit er in allem Geschaffenen wiederentdeckt.

Die lebensbejahende Liebe dieses Schöpfergottes ist für ihn der Ursprung und Grund des Seins - auch des Eigenene.

So weiß er sich verbrüdert mit allem Lebendigem und besingt in seinem Lied die Sonne, den Mond, den Wind, das Feuer als Bruder, als Schwester und die Erde als Mutter - geschaffen zur Freude und zum Nutzen der Menschen.

Er besingt auch jene, die aus Liebe verzeihen und Krankheit und Not ertragen. Und selbst der Tod gehört für ihn so zum Leben, dass er ihm zum Bruder wird.

Die Künstlerin verleiht dieser dankbaren Freude des Franziskus allem Lebendigem gegenüber, und seinem Staunen über die Vielfalt und den Reichtum der Schöpfung Ausdruck durch die vielen liebevoll gestalteten Details und durch die dynamische, kommunikative Art der Farb- und Formgebung.

Auch "Bruder Tod" bleibt von der positiven Wahrnehmung des Lebens nicht ausgeklammert: Sie stellt ihn als Weizenkorn dar, geborgen im warmen Braun der Erde - bereit zu neuem Aufkeimen und Leben.

Sr. Mirjam Brüggemann, OSF

Sonnengesang (Deutsche Übersetzung)

Du höchster, mächtigster, guter Herr, Dir sind die Lieder des Lobes, Ruhm und Ehre und jeglicher Dank geweiht; Dir nur gebühren sie, Höchster, und keiner der Menschen ist würdig, Dich nur zu nennen.

Gelobt seist Du, Herr, mit allen Wesen, die Du geschaffen, der edlen Herrin vor allem, Bruder Sonne,

die uns den Tag heraufführt und Licht mit ihren Strahlen, die Schöne, spendet; gar prächtig in mächtigem Glanze: Dein Gleichnis ist sie, Erhabener.

Gelobt seist Du, Herr, durch Schwester Mond und die Sterne. Durch Dich sie funkeln am Himmelsbogen und leuchten köstlich und schön.

Gelobt seist Du, Herr, durch Bruder Wind und Luft und Wolke und Wetter, die sanft oder streng, nach Deinem Willen, die Wesen leiten, die durch Dich sind.

Gelobt seist Du, Herr, durch Schwester Quelle: Wie ist sie nütze in ihrer Demut, wie köstlich und keusch!

Gelobt seist Du, Herr, durch Bruder Feuer, durch den Du zur Nacht uns leuchtest. Schön und freundlich ist er am wohligen Herde, mächtig als lodernden Brand.

Gelobt seist Du, Herr, durch unsere Schwester, die Mutter Erde, die gütig und stark uns trägt und mancherlei Frucht uns bietet mit farbigen Blumen und Matte.

Gelobt seist Du, Herr, durch die, so vergeben um Deiner Liebe willen Pein und Trübsal geduldig tragen. Selig, die's überwinden im Frieden: Du, Höchster, wirst sie belohnen.

Gelobt seist Du, Herr, durch unsern Bruder, den leiblichen Tod; ihm kann kein lebender Mensch entrinnen. Wehe denen, die sterben in schweren Sünden!

Selig, die er in Deinem heiligsten Willen findet! Denn Sie versehrt nicht der zweite Tod. Lobet und preiset den Herrn! Danket und dient Ihm in großer Demut!

aus: Sonnengesang, gemalt von Christine Hecht
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